GR

 

REDENSARTEN

Es gibt nicht nur direkte und indirekteRede

 


 

 

GRUNDLEGENDES: DIE KOMMUNIKATIONSSITUATION

Wenn wir einen andern auf  ein Weltstück (hier auf eine Maus) aufmerksam machen wollen und dazu Sprachzeichen äußern (hier [maus]), dann entsteht eine Kommunikationssituation. Wie die obige Illustration zeigt, braucht es, damit eine Kommunikationssituation entstehen kann, mindestens vier Elemente:
  Sprecher(in),
  Hörer,
  Sprachform ([maus]),
  Referendum(die Maus)
Die Kommunikationssituation, die entsteht, wenn diese 4 Elemente zusammenkommen, besteht aus folgenden grundlegenden Teilen:

  der Sprechsituation mit Sprecher, Sprachform und Hörer,
  der besprochenen Situation mit den Referenda.

 

SPRECHSITUATION

 

 

[maus]

BESPROCHENE SITUATION

 

 

 

(Das obige Bild illustriert der Einfachheit halber eine Kommunikationssituation, wo eine spricht und einer zuhört. Wenn es sich um eine interaktive Kommunikationssituation handelt, wo Sprecher- und Hörerrolle ständig wechseln, spricht man besser generell von Kommunikationspartnern.)

 

Kleine Anmerkung für Fremdsprachenlehrer: Wer Sprachübungen im Klassenzimmer beurteilen will, braucht bloß zu prüfen, ob sie eine Kommunikationssituation erzeugen. Meistens, so wird er feststellen, sind sie weit davon entfernt. Oft ist nur eine einsame Sprachform vorhanden, an der herummanipuliert wird. Übungen, bei denen eine Kommunikationssituation nicht wenigstens simuliert wird, sind sinnlose Zeitverschwendung und gehören auf den Müllhaufen der Fremdsprachendidaktik.

 

Im folgenden noch einmal ein Bild der Kommunikationssituation, etwas abstrakter, dafür aber ausführlicher und mit englischen Begriffen (detailliertere Darstellungen unter Kommunikation):

 

 

1. REDETYPEN

So wie man über Häuser und Gärten, über Menschen und Tiere reden kann, so kann man auch über Kommunikationssituationen reden. Und Kommunikationssituationen sind kein exotisches Gesprächsthema, sondern ein ganz alltägliches. Tatsächlich reden wir ständig über Kommunikationssituationen.

Nehmen wir Wilhelmine und Eberhard. Eberhard ist Student und sucht dringend eine Bleibe. Wilhelmine ist Geschäftsfrau und hat viele Kontakte und schafft es, eine kleine Wohnung für Eberhard ausfindig zu machen. Eine einfache Wohnung, ohne besonderen Luxus, aber Eberhard ist froh, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben.

Aber dann, als sich Wilhelmine und Eberhard einmal auf der Straße treffen, sagt er (u.a.): "Und ich hab bloß kaltes Wasser! Und das Klo ist draußen!" Und Wilhelmine weist ihn zurecht: "Du hast genau gewußt, was für eine Wohnung das ist. Jetzt mecker nicht herum."

Wilhelmine ist entrüstet. So ein undankbarer Kumpan! Wütend ruft sie ihre Freundin an. "Dieser Kerl! Da hab ich Himmel und Erde in Bewegung gesetzt, damit er nicht in der Gosse schlafen muß, und nun beklagt er sich. ‚Wilhelmine, sagt er, in dem Zimmer ist überhaupt kein warmes Wasser. Und wenn ich aufs Klo muß, dann muß ich über den kalten Gang.‘ ‚Weißt du, was ich dem gesagt hab? Also, Eberhard, hab ich gesagt, wärste halt in der Gosse geblieben.‘"

Wilhelmine und ihre Freundlin kommunizieren über die frühere Kommunikationssituation zwischen Wilhelmine und Eberhard. D.h. Wilhelmine und ihre Freundin sind Sprecherin und Hörerin. Die Sprecherin äußert u.a. die folgenden Sprachformen:

‚Wilhelmine‘, sagt er, ‚in dem Zimmer ist überhaupt kein warmes Wasser. Und wenn ich aufs Klo muß, dann muß ich über den kalten Gang.‘ ‚Weißt du, was ich dem gesagt hab? Also, Eberhard, hab ich gesagt, wärste halt in der Gosse geblieben.‘
Wilhelmine, Sprachform und Freundin erzeugen die Sprechsituation,
die gesamte frühere Kommunikationssituation ist das zur Sprachform gehörige Referendum in der besprochenen Situation.

Schematisch sieht das so aus:

Die beredete Kommunikationssituation besteht aus mehreren Elementen. Diese können alle benannt werden, müssen es aber nicht - bis auf eine Ausnahme: Das Referendum der eingebetteten Kommunikationssituation muß benannt werden, denn darum geht es ja letztlich.

In unserem Beispiel benennt die Sprecherin Wilhelmine die

  • früheren Kommunikationspartner (ich, Wilhelmine; Kerl, er, Eberhard),
  • die früheren Sprechhandlungen (sagt; hab ich gesagt),
  • die früheren Sprachformen (Wilhelmine, in dem Zimmer ist überhaupt kein warmes Wasser, usw.)
  • und die früheren Referenda (die Wassertemperatur, die aus dem Hahn kommt; wo sich die Toilette befindet).

Um noch einmal deutlich darauf hinzuweisen: das Gespräch dreht sich immer um eine ganze Kommunikationssituation, es beschränkt sich nicht auf die Sprachformen, die geäußert worden sind, wie Grammatiken uns oft glauben machen wollen.

In der oben geschilderten Gesprächssituation benutzt Wilhelmine direkte Rede. Direkte Rede, die irreführend manchmal ‚wörtliche‘ Rede heißt, darf man nicht verwechseln mit ‚zitierter‘ Rede. Denn was Wilhelmine sagt, ist keineswegs wortwörtlich das, was Eberhard gesagt hat und was sie darauf geantwortet hat. Vergleichen wir noch einmal:

Eberhards Originalton: Und ich hab bloß kaltes Wasser! Und das Klo ist draußen!
Wilhelmines Bericht: Wilhelmine, in dem Zimmer ist überhaupt kein warmes Wasser. Und wenn ich aufs Klo muß, dann muß ich über den kalten Gang.
Wilhelmines Originalton: Du hast genau gewußt, was für eine Wohnung das ist. Jetzt mecker nicht herum
Wilhelmines Bericht: Eberhard, wärste halt in der Gosse geblieben.

Es geht (man kann es nicht oft genug wiederholen), wenn wir Kommunikationssituationen besprechen, immer um den Sachverhalt, um den es in der besprochenen Kommunikationssituation ging, nie um die Wörter und Sätze, mit denen der Sachverhalt benannt wurde. Das gilt für alle Redetypen (mit Ausnahme der speziellen Situation der 'zitierten' Rede). Im übrigen erfahren wir meist auch gar nicht, was in der ursprünglichen Kommunikationssituation geäußert worden ist.

Lassen Sie uns nun anhand von Text-Beispielen sehen, welche Typen wir zur Verfügung haben, wenn wir frühere Kommunikationssituationen zum Thema eines Gesprächs machen. Dabei benenne ich die übergeordnete Kommunikationssituation mit A, die eingebettete mit B.

 

1.1 DIE DIREKTE REDE
(Wörtliche Rede, Direct Speech)

Im folgenden Beispiel handelt es sich um eine Episode aus den Erinnerungen von F.L. Billows. Billows sitzt im Zug, ein Mann kommt herein. Billows bietet ihm seine Hilfe an. Der Mann lehnt ab.

He had two bags; a young man helped him to put one of them on the rack. I offered to help him put the other on the rack, too. "No, you see I have an engraving in it," he said. "So I must keep it on the floor , it might fall down." (Billows, Stories)

Der Teil der besprochenen Kommunikationssituaton, um die es hier geht, enthält Billows als Hörer B (angesprochen mit "you", aber bereits bekannt als "I"), den Mann als Sprecher B (auf ihn wird mit "he" verwiesen), die Sprechhandlung B ("said") und die Sprachform B ("No, you see ..."). Sie wird so formuliert, wie der Sprecher B sie selber hätte formuliert haben können. Aber das hat er natürlich nicht, denn die Episode fand lange vor dem Zeitpunkt statt, an dem sie aufgeschrieben wurde, und niemand, auch der Erzähler Billows nicht, kann sich eine solche Rede wortwörtlich merken.

Die Grammatikregel, wie wir sie etwa in der Großen Lerngrammatik finden, ist also reichlich sprachfern:

In der direkten Rede wird eine Äußerung genau so wiedergegeben, wie sie tatsächlich gemacht wurde. (S. 242)

 

1.2 DIE INDIREKTE REDE
(Reported Speech)

In der indirekten Rede ist die Sprachform, die auf die Rede B verweist, meist als Objekt in einen übergeordneten Satz eingebettet, im Beispiel ist das das wh-statement what she would have to drink und der block Scotch and soda.

My glass was empty. I asked her what she would have to drink, she said Scotch and soda. (Hammett, Thin man, 4)

Auch hier wissen wir nicht, was genau die beiden Kommunikationspartner B ("I", "she") geäußert haben. Wir erfahren es nicht. Es ist ja auch völlig unerheblich.

 

1.3 ERZÄHLTE REDE
(Narrated Speech)

In Erzählungen findet sich manchmal eine Art Mischform aus direkter und indirekter Rede: Dabei wird die Struktur direkter Rede mit den Merkmalen der indirekten Rede kombiniert. Ich nenne diesen Redetyp 'erzählte Rede'. Im folgenden Beispiel findet sie sich am Ende des Absatzes.

Grant lay on his white cot and stared at the ceiling. (...) He had suggested to The Midget that she might turn his bed bed round a little so that he could have a new patch of ceiling to explore. But it seemed that that would spoil the symmetry of the room, and in hospitals symmetry ranked just a short head behind cleanliness and a whole length in front of godliness. Anything out of the parallel was hospital profanity. Why didn't he read? she ASKED. Why didn't he go on reading some of those expensive brand-new novels that his friends kept bringing him? (Tey, Daughter of time, 9)

Wir vergleichen:

ERZÄHLTE REDE Why didn't he read? she asked. Why didn't he go on reading some of those expensive brand-new novels that his friends kept bringing him?
MÖGLICHE DIREKTE REDE Why don‘t you read? Why don‘t you gon on reading some of these expensive brand-new novels that your friends keep bringing in?
MÖGLICHE INDIREKTE REDE She asked why he didn‘t read. And why he didn‘t go on reading some of those expensive brand-new novels that his friends kept bringing in.

Aus der direkten Rede werden die Fragestrukturen der Sätze übernommen (wh-questions), aus der indirekten Rede vor allem das Erzähl-Past und die Pronomina.

(Zur grünen Markierung - siehe unten.)

(Erzählte Rede ist übrigens nicht nur in der geschriebenen Literatur zu finden, sondern kommt häufig auch in mündlichen, umgangssprachlichen Erzählungen vor.)

Hier wird der Inhalt eines Tonbandes erzählt:

Russell drew the tape from the meticulously sealed envelope (...) Russell smiled. These tapes were a thing of the Prime Minister's, one of his idiosyncrasies. (...) On tape the Prime Minister was well worth listening to.

Besides, a tape could, at a pinch, be disowned. A minute or letter couldn't.

Russell put this one on to his own machine, listening carefully. He wasn't surprised at the news it gave him: indeed, he had rather been expecting it ... Russell would remember their conversation in the country? He did? Then the Prime Minister had been considering it, and the more he considered the more he inclined to the view that the essential of the affair was not the relationship between Bonavias and the Bakerloo but that between Bonavias and Radarmic. Russell would also remember that they had touched on certain possibilities in connexion with the latter. The Prime Minister had now decided that that avenue must be explored. (The tape emitted an apologetic little cough for the banality and a request to put more soda in it. Then it went on.) As a jog to Colonel Russell's memory - doubtless unnecessary - the Prime Minister would remind him that they had agreed that if Radarmic could be detached from Bonavias by the Bakerloo, Bonavias themselves could .... Well, the rape of Bonavias by the Bakerloo wouldn't in that case be an immediate national disaster. Immediate - that was the operative word. (Another little cough, for the Prime Minister wasn't insensitive to clich‚s. He used them when they served him, but he was a considerate man.) Certain information had been coming in from the Continent ...

Russell stopped the tape. (...) He flicked the switch again.

... Information had been coming in from the Continent, and there didn't seem much doubt that something was brewing. (...) And after that they'd see.

Well, there it was. Thank you for listening.

Russell, smiling again, rewound the tape. (Haggard, Arena, 1961:108)

Der letzte Satz des Tonbands (Thank you for listening) wird in direkter Rede erzählt, der Autor holt auf diese Weise den Leser in die (Erzähl-)Gegenwart zurück.

Im folgenden wird der Inhalt eines Briefs erzählt:

[John Caldigate wurde wegen angeblicher Bigamie ins Gefängnis geworfen; die Mutter der jungen Frau hat's schon immer gewußt.]

Then there came letters from the mother, one letter hot upon the other, all appealing to those texts in Scripture by which the laws of nations are supposed to be supported. 'Give unto Caesar the things which are Caesar's.' It was for the law to declare who were and who were not man and wife, and in this matter the law had declared. After this how could she doubt? Or how could she hesitate as to tearing herself away from the belongings of the man who certainly was not her husband? And there were dreadful words in these letters which added much to the agony of her who received them ... (Trollope, Caldigate, 339)

 

1.4 EINE MISCHREDE
Direkte, indirekte und erzählte Rede
in einem kurzen Textstück

[Vicar Robarts ist eingeladen bei Sowerby in Chaldicote, wohin auch u.a. sein Bischoff kommt (Dr. Proudy). Die Damen beklagen sich, daß die Herren den ganzen Tag auf der Jagd seien und sie alleine ließen und sie auch noch mit dem Abendessen auf sie warten müßten.]

And then Mr Robarts gave them to understand that no such catastrophe could be looked for that day, as Mr Sowerby and the other sportsmen were within the stable-yard when he entered the door. [Indirekte Rede]

'Then, ladies, we may as well dress,' said Mrs Harold Smith.[Direkte Rede] But as she moved towards the door, it opened, and a short gentleman, with a slow, quiet step, entered the room; but was not yet to be distinguished through the dusk by the eyes of Mr Robarts. 'Oh, Bishop, is that you?' said Mrs Smith. 'Here is one of the luminaries of your diocese.' [Direkte Rede] And then the bishop, feeling through the dark, made his way up to the vicar and shook him cordially by the hand. 'He was delighted to meet Mr Robarts at Chaldicotes,' he said - 'quite delighted. Was he not going to preach on behalf of the Papuan Mission next Sunday? Ah, so he, the bishop, had heard. It was a good work, an excellent work.' [Erzählte Rede] And then Dr Proudie expressed himself as much grieved that he could not remain at Chaldicotes, and hear the sermon. [Indirekte Rede] (Trollope, Anthony, Framley Parsonage, p. 24)

Übrigens ist hier auch die erzählte Rede in Anführungszeichen eingeschlossen.

 

1.5 ZITIERTE REDE
(Quoted Speech)

Die Zitierte Rede ist insofern ein spezieller Redetyp, als es hier nicht wie sonst nur um den Sachverhalt in der besprochenen Kommunikationssituation geht. Darum geht es auch, aber zusätzlich und vor allem ist der genaue Wortlaut der ursprünglichen Rede von Bedeutung.

Es gibt typische Situationen, in denen zitierte Rede angebracht und andere typische Situationen, in denen sie völlig unangebracht ist. Ein paar Bemerkungen dazu.

Man findet zitierte Rede oft dann, wenn der Berichterstatter deutlich machen will, daß der Zitierte (also der Sprecher B) ganz allein für die Darstellung des Sachverhalts verantwortlich ist. Meist drückt der Berichterstatter damit (direkt oder indirekt) aus, daß er die Darstellung mißbilligt. Das gibt es im alltäglichen Leben, vor allem aber auch in der Wissenschaft.

Sowohl im alltäglichen Leben wie auch in der wissenschaftlichen Literatur gibt es einen zweiten häufigen Grund, die Rede eines andern wortwörtlich zu zitieren. Der Zitierte ist in diesem Fall ein Experte, eine Koryphäe gar (oder man stellt ihn so dar), und man zitiert ihn, um den eigenen Standpunkt zu untermauern. Wenn die Koryphäe den Sachverhalt genauso sieht wie der Zitierer, dann kann der doch so falsch nicht liegen, nichtwahr ...

In der folgenden Karikatur (Rudolf Wilke im Simplicissimus 1907) wird ein dritter Grund für das Zitieren der Rede eines andern illustriert, wenn nämlich Sprecher B den jetzigen Sprecher A über den grünen Klee gelobt hat. Und um es zu beweisen,daß das Behauptete tatsächlich stattgefunden hat, fühlt sich Sprecher A bemüßigt, die frühere Rede wortwörtlich zu wiederholen.

Großes Lob

Beim heutigen cercle zeichneten Seine Majestät mich allergnädigst ganz allein durch eine Ansprache aus; Majestät klopften mich auf die Backe und bemerkten dazu: 'Na, bist du auch da, alter Schafskopp!' - Du kannst dir denken, Adelheid, - der Neid von den andern!

 

Wo Zitierte Rede gar nichts zu suchen hat, ja, wo sie geradezu kontraproduktiv wirkt, ist im Bereich von Prüfungen. Prüflinge glauben häufig, und sind selten davon abzubringen, der Prüfer wolle wortwörtlich von ihnen hören, was er einmal gesagt oder geschrieben hat (oder was in einem von ihm empfohlenen Lehrbuch steht). Sich auf eine Prüfung vorzubereiten, heißt für sie dann, sich Sprachformen einzuprägen. D.h. sie beschäftigen sich mit Formulierungen statt mit der Sache, auf die sich diese beziehen.

Es mag ja einzelne Prüfer geben, die glücklich sind, wenn sie ihre eigenen Formulierungen im Prüfungsgespräch serviert bekommen. Aber normalerweise will ein Prüfer herausfinden, ob der Sachverhalt verstanden und kritisch durchdacht worden ist. Auswendig gelernte Formulierungen zeigen dem Prüfer, daß genau dies nicht der Fall ist.

 

2. DENKTPYEN

So wie man über Kommunikationssituation berichten kann, kann man auch über Denksituationen berichten. Denksituationen sind genauso strukturiert wie Kommunikationssituationen, nur daß der Denkende hier sowohl Sender wie Empfänger seiner Gedanken ist und das Denken meistens im stillen Kämmerlein des Gehirns vor sich geht – meistens, denn manchmal denkt man ja auch laut und äußert Sprachformen wie beim Kommunizieren mit einem Partner - man tut dies, weil man sich auf diese Weise einen Sachverhalt deutlicher machen kann. Aber hier soll es jetzt nur um das stille Denken gehen.

Über Denksituationen berichten wir in ähnlicher Weise wie über Redesituationen. Ich benutze im folgenden deshalb dieselben unterscheidenden Bezeichnungen. Kommentare zu den einzelnen Beispielen erübrigen sich.

 

2.1 DIREKTE GEDANKEN
(Direct thought)

At one point I came to a vista that opened on to a railway platform. I  THOUGHT: "Yes, I have often looked on here from a train," and came to a narrow place where I saw some Gastarbeiter (immigrant workers) working. (Billows, Stories)

Algeciras

Wie wird es im Krieg werden, wenn das nur Friedenstiften ist!

(E. Thöny, Simplicissimus 1907)

 

2.2 INDIREKTE GEDANKEN
(Indirect Thought, Reported thought)

As the young man got to know her, he kept trying to IMAGINE what she looked like. After awhile, he constructed a picture of her in his mind, so that whenever he looked in her direction, his imagined vision of her came before his eyes so vividly that he felt he could almost see her. He THOUGHT that he could very nearly see the slight curve of her lips, the sunlight shining in her hair, the expressions of delight or concern on her brow. (Robert Harris, Stories from the old attic)

 

2.3 ERZÄHLTE GEDANKEN
(Narrated Thought, Erlebte Rede, Interior Monologue, Stream of Consciousness, Substitutionary Narration)

Eveline looked round the room, REVIEWING all its familiar objects which she had dusted once a week for so many years. Perhaps she would never see again those familiar objects from which she had never dreamed of being divided. She had consented to go away, to leave her home. Was that wise? She tried to WEIGH each side of the question. In her home anyway she had shelter and food; she had those whom she had known all her life about her. Of course she had to work hard, both in the house and at business. What would they say of her in the Stores when they found out she had run away? (Joyce, Dubliners, zit. Essentials of English Grammar, 27)

 

[John Caldigate has told his aunt, who has been trying to trap him into marrying her daughter, that he will not do so. Then ...]

As Caldigate travelled home to Folking he TURNED many things IN HIS MIND. ...

Would it not have been better that he should have told his aunt frankly that he was engaged elsewhere? The lady's name would have been asked, and the lady's name could not have been given. ... The task at present before him was that of obtaining a footing in the house at Chesterton; and the more he thought of it, the more he was at a loss to know how to set about it. They could not intend to shut such a girl up, through all her young years, as in a convent. There must be present in the minds of both of them an idea that marriage would be good for her, or, at any rate, the she should herself have some choice in the matter. And if there were to be any son-in-law, why should not he have as good a chance as any other? ... Had he not proved himself to be steady, industrious, and a good man of business? In regard to position and fortune was he not such as a father would desire for his daughter? Having lost his claim to Folking, had he not regained it - and in doing so had he not shown himself to be something much more than merely the heir to Folking? An immediate income would, of course, be necessary - but there was money enough. He would ask the old man for nothing. (Trollope, John Caldigate, 124f)

 

Wenn wir die beschriebenen Rede- und Denktypen benutzen, dann berichten wir über frühere Kommunikationssituationen.

In Texten der Erzählliteratur stimmt dies so nicht immer. Es stimmt, wenn es sich um eine autobiographische Erzählung handelt (s. die Abschnitte aus den Billowstexten), es stimmt auch, wenn der Erzähler die Fiktion aufbaut, daß die erzählten Ereignisse in der Vergangenheit stattgefunden hätten, also bevor er seine Erzählung niederschrieb - das ist z.B. oft der Fall in Ich-Erzählungen. Und es stimmt natürlich, wenn die berichtete Rede sich auf eine frühere Kommunikationssituation in der Erzählung selber bezieht (s. die erzählte Rede über den Inhalt eines Tonbands und eines Briefs).

Wo aber all dies nicht der Fall ist, wo ein berichtender Rede- oder Denktyp nur in der Gegenwart der Erzählung existiert und sich gar nicht auf Früheres beziehen kann, da fallen Kommunikationssituation A und Kommunikationssituation B in eins zusammen. Nennen wir diese 'zusammengeklappte' Situation die Kommunikationssituation C. Ich habe sie oben grün markiert. An dem Zweck der Rede ändert das alles nichts, denn es geht hier, wie sonst auch, immer um den Sachverhalt in der besprochenen Situation, egal ob dieser zweimal oder nur einmal beredet wird.

 

SCHLUSSBEMERKUNG

Die Schulgrammatik kennt gewöhnlich nur zwei Redetypen, die direkte und die indirekte Rede. Und deshalb formuliert sie die Regeln für die indirekte Rede auch nur im Zusammenhang mit der direkten. Schon weil es mehr als diese beiden Typen gibt, reichen die üblichen Regeln nicht aus - ganz abgesehen von all den Ungereimtheiten, die in den anderen Beiträgen auf dieser Webseite aufgezeigt werden.

 

QUELLEN FÜR DIE BEISPIELE

  • Beilhardt, Karl (Hrsg.) (1961), Essentials of English grammar, Stuttgart: Klett
  • Billows, F.L., Stories, Electronic text
  • Haggard, William (1961), The arena, Harmondsworth: Penguin, 1966
  • Harris, Robert, Stories from the old attic, Electronic text
  • Hammett, Dashiell (1964), The Maltese falcon and The thin man, New York: Vintage Books
  • Hoffmann, Hans G., Hoffmann, Marion (2001), Große Lerngrammatik Englisch, Regeln, Anwendungsbeispiele, Tests, München: Hueber
  • Simplicissimus, 1907, 2
  • Tey, Josephine (1954), The daughter of time, Harmondsworth: Penguin
  • Trollope, Anthony (1879), John Caldigate, London: The Folio Society, 1995.
  • Trollope, Anthony (1860/61). Framley Parsonage, London: The Folio Society, 1996

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Last updated 4.6.2007