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Eine Frau
eine Maus
Eine Kommunikationssituation ist entstanden! Wenn wir die zusätzliche Zeigegeste unberücksichtigt lassen, dann sehen wir, daß die Mindestausstattung einer (mündlichen) Kommunikationssituation aus vier Elementen besteht, aus Sprecher(in), Hörer(in) , der (zeigenden) Lautform und dem (gezeigten) Referendum. Anders ausgedrückt: Eine Kommunikationssituation stellt vier grundlegende Funktionsstellen oder Rollen zur Verfügung: die Sprecherrolle, die Hörerrolle, die Rolle der Sprachform und die Referendumsrolle. Alle vier müssen besetzt werden, wenn eine Kommunikationssituation entstehen soll.
Je nachdem, wie die Rollenverteilung zwischen den Kommunikationspartnern aussieht und von welcher Rolle aus wir die Kommunikationssituation betrachten, entstehen verschiedene grundlegende Typen von Kommunikationssituationen.
Wenn die Rolle der Sprachform nicht durch eine Lautform ausgefüllt wird, sondern durch eine Schreibform, dann entsteht eine schriftliche Kommunikationssituation. Dort ist die Sprecherrolle durch die Schreiberrolle ersetzt und die Hörerrolle durch die Leserrolle, anders ausgedrückt: Die Kommunikationspartner agieren als Schreiber und Leser. Die schriftliche Kommunikationssituation weist dieselben Grundtypen auf wie die mündliche.
Wir haben es also mit sechs Grundtypen der Kommunikationssituation zu tun, in denen sechs verschiedene Kommunikationshandlungen stattfinden:
Jede dieser Kommunikationshandlungen steht gleichberechtigt neben den anderen, sie alle sind vollgültige Arten von Kommunikation. Das muß besonders betont werden, weil es unter Fremdsprachendidaktikern üblich ist, nur die Interaktion als Kommunikation anzuerkennen. Sprechen, Hören, Schreiben und Lesen hingegen werden als Fertigkeiten abgekanzelt, werden gleichsam als Steigbügelhalter für die eigentliche Kommunikation angesehen.Wenn dem so wäre, dann könnte jeder von uns einen großen Fontane-Roman schreiben oder einen Shakespeareschen Hamlet. Denn Fertigkeiten kann man lernen und durch Üben automatisieren. Das ist aber mit keiner dieser angeblichen Fertigkeiten tatsächlich möglich! Unglücklicherweise hat diese Fehleinschätzung große negative Auswirkungen auf den Fremdsprachenunterricht. Wenn man dort an Schreiben denkt, dann meint man das Zu-Papier-bringen von inhaltslosen Buchstaben und Buchstabenkombinationen und begnügt sich zumeist mit dem Abschreiben von Texten, oder mit dem schriftlichen Transformieren von Aktivsätzen in Passivsätze, und was dergleichen mehr sind. Was das Lesen angeht, so bedeutet es im Fremdsprachenunterricht meist nur das laute, i.a. mißglückende, 'Vor'lesen von Lektionstexten, was weder mit dem normalen, kommunikativen, stillen verstehenden Lesen etwas zu tun hat, noch etwa mit dem gestaltenden Vorlesen einer spannenden Geschichte. Was im Fremdsprachenunterricht oft geschieht, hat im besten Fall mit Teilhandlungen der Kommunikationshandlungen zu tun, die aber, weil dieselben Wörter benutzt werden, nicht als Teilhandlungen erkannt, sondern für das Ganze genommen werden. Wer Englisch lernt (oder natürlich irgendeine andere Fremdsprache), muß aber die angeführten sechs Kommunikationshandlungen lernen, und der Lehrer muß dafür Sorge tragen, daß die Schüler die Gelegenheit dazu bekommen. Die Teilhandlungen (das sind die wirklichen Fertigkeiten) reichen, so notwendig sie sein mögen, allein nicht aus.
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Last updated 6.6.2007